Geschichte und Erinnerung

Anni

Vortrag
Symbolbild Vortrag (c) pixabay
23.09.2026
20:00 Uhr
Veranstaltungsort: Kulturzentrum Schlachthof
Findorffstraße 51
28215 Bremen

Anni - Lieder und Erinnerungen zum 100. Geburtstag der Sinteza Anni Schwarz (1926–2007)

Bis vor fünf Jahren kannte Erdmann Grimm nur einen Teil seiner Familiengeschichte. Seine Mutter Anni wollte ihn nicht belasten und lebte in Wolfsburg so, dass kaum jemand von ihrer Identität als Sinteza wusste.

2021 erhielt Erdmann Grimm über das Wolfsburger Friedhofsamt einen Brief des Historikers Hans Hesse mit der Bitte um Kontaktaufnahme. Hesse forscht seit vielen Jahren zur Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in Nordwestdeutschland. Von ihm erfuhr Grimm erstmals vom ganzen Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen an seiner Familie: Neun seiner Onkel und Tanten sowie seine Großeltern wurden in Auschwitz ermordet. Bis zum 8. März 1943 lebten sie neben dem alten Bremer Schlachthof. An diesem Tag wurden sie gemeinsam mit etwa 280 weiteren Sinti und Roma von dort deportiert.

Im September 2022 setzte der Bremer Arbeitskreis ›Erinnern an den März 1943‹ gemeinsam mit dem Beirat Findorff durch, dass der Platz vor dem Kulturzentrum Schlachthof in Familie-Schwarz-Platz benannt wurde. Erdmann Grimm war als Ehrengast zur Einweihung eingeladen und kehrte nach fast 50 Jahren erstmals wieder nach Bremen zurück.

Seitdem hat er sich intensiv auf die Spuren seiner Familiengeschichte begeben, unter anderem in der KZ Gedenkstätte Ravensbrück, wohin seine Mutter von Auschwitz verlegt wurde und wo sie für die Firma Siemens Zwangsarbeit leistete. In Bremen schloss Erdmann Grimm neue Freundschaften mit Sinti und fand zu seiner besonderen Freude eine Cousine wieder, mit der er als Kind viel Zeit verbracht hat.

Gemeinsam teilten sie ihre Erinnerungen an Anni Schwarz mit dem Journalisten Ralf Lorenzen. In diesen Erinnerungen spielt die Musik eine besondere Rolle. Daraus entstand die Idee, Anni Schwarz zu ihrem 100. Geburtstag mit einer biografischen Revue zu ehren, die neben ihrer Lebensgeschichte auch ihre Lieblingslieder in den Mittelpunkt stellt. An dem Ort, von dem sie vor 83 Jahren aus Bremen verschleppt wurde.

Anni Schwarz überlebte als einzige ihrer 12-köpfigen Familie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Zum Zeitpunkt ihrer Deportation durch die Bremer Polizei im März 1943 vom Bremer Schlachthof wohnte die Familie direkt nebenan in der Findorff straße 99. In unmittelbarer Nähe dieses Ortes erinnern wir mit ihren Lieblingsliedern aus Swing, Chanson und Operette und Berichten von Zeitzeug:innen an die Kindheit und Jugend von Anni in Bremen sowie ihre langsame Rückkehr ins Leben nach der Befreiung.

Anni starb als Anni Grimm 2007 in Wolfsburg, am 23. September 2026 wäre sie hundert Jahre alt geworden. Seit 2022 heißt der Platz vor dem Kulturzentrum Schlachthof: Familie-Schwarz-Platz.

Mitwirkende
Ensemble: Dardo Balke Ensemble (mit Armando Balke, Dardo Balke, Richie Balke, Rigo Weiß, Jeremy Maatz), Manolito Mario Franz (Tenor), Carmen Spitta (Rezitation), Sissi Zängerle (Moderation und Gesang), Chor der Oberschule Findorff unter der Leitung von Daniel Akkermann. Konzept, Texte und Regie: Ralf Lorenzen. Musikalische Leitung: Dardo Balke. Mitarbeit: Erdmann Grimm

Teilnahmegebühr: VVK: 20,–€ (zzgl. Gebühren). Ermäßigt: 13,–€ Anmeldung: Vorverkaufsstellen: Kulturzentrum Schlachthof
+49 (0)421-377750
Veranstalter: Kulturzentrum Schlachthof BarrierefreiheitInformationen zur Barrierefreiheit erhalten Sie beim Veranstalter Kontakt
Ralf Lorenzen E-Mail: lorenzenralf@aol.com