Gedenkprogramm 27. Januar

„Asozial“ – „!Sozi!“ - Frühe Prägung, unter der Hand weitergegeben wie mit verdeckten Karten

27. Januar web
"Fürsorgeanstalt Hashude". Foto: Staatsarchiv Bremen
22.02.2022
18:30 Uhr
Referent:in Heide Marie Voigt Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Vegesack
Aumunder Heerweg 87
28757 Bremen
Setzt sich die Nazi-Haltung ‚Fürsorgeerziehung‘ klammheimlich fort in unserer Vorstellung von ‚schwierigen‘ Kindern? Über ‚renitente‘ Jungen im Jugend-Konzentrationslager Moringen und ‚gewohnheitsmäßig liederliche Herumtreiberinnen‘ im Haus Isenberg, Bremen, Kornstraße. Bis Ende der 70iger Jahre war die Betreuung dort unmenschlich! Aber wie ging es weiter? Über den Unterricht in einer Hauptschulklasse 1984 bis 1987: Sie zogen sich gegenseitig auf als „!Sozi!“

Nahezu 3000 Kinder und Jugendliche waren inhaftiert in den Jugend-Konzentrationslagern Moringen und Uckermark. In den Haftbegründungen werden die geringsten Auffälligkeiten als Anzeichen der „Asozialität“ oder „Kriminalität“ gewertet, zum Beispiel sogenannte „Renitenz“ oder „Unerziehbarkeit“. Persönliche Erinnerungen daran berichtete ein Überlebender der Referentin – er war von der Bremer Fürsorge eingewiesen worden.
Die kurze Lebensgeschichte von Ella Nürnberg, die sich „fortgesetzt und gewohnheitsmäßig liederlich herumtrieb“, fand die Autorin in dem Heft „Haus Isenberg“, das im April 2021 veröffentlich wurde von Bernd Windmüller und der DENKORTE-Initiative Neustadt.

Leicht ist es keineswegs, die Verbrechen der Nazizeit aufzuarbeiten – aber wie ging es weiter?
„Leider endete das Martyrium für die Mädchen und jungen Frauen mit der der Naziherrschaft nicht, sondern sie wurden bis Ende der 70iger Jahre in unmenschlicher Art und Weise im Isenbergheim betreut.“

Wie setzt sich die Prägung „asozial“ in den Familien fort? Wie ist sie im ‚Zeitgeist‘ noch heute spürbar? Aus ihrer eigenen Praxis berichtet die frühere Lehrerin über eine Hauptschulklasse 1984 bis 1987: Die Jungen zogen sich gegenseitig auf als „!Sozi!“: abhängig vom Sozialamt! Tom fragte: „Wissen Sie, was mein Opa tut, wenn ich ihn nach dem Krieg frage? Der nuscht mir eine! Können Sie das nicht verstehen? Der hat was Schlimmes erlebt.“ Wie verarbeiteten diese Kinder damals den Film „Holocaust“? Heide Marie Voigt zitiert Aufsätze von Thorsten zur Judenverfolgung. „Schade, dass es keine KZ‘s mehr gibt, da gehörtest Du hin!“, sagte Mia zu ihrem Cousin Robert. Die Entwicklung von Robert ist erzählenswert!
Teilnahmegebühr: Kostenlos Veranstalter: Stadtbibliothek Vegesack BarrierefreiheitInformationen zur Barrierefreiheit erhalten Sie beim Veranstalter Kontakt
Stadtbibliothek Vegesack Telefon: 0421 3617244