Das Gift wirkte weiter. Staatlicher organisierter Antisemitismus im Ostblock (1945–1985)
Vortrag von Ivo Bock.
Offiziell gab es im sowjetischen Herrschaftsbereich keinen Antisemitismus, der Krieg gegen Deutschland wurde "gegen den Faschismus" geführt. Aber auch nach 1945 war der staatlich organisierte Antisemitismus in Osteuropa nicht verschwunden. Die Herrschaft Stalins, bis zuletzt durch Gewalt und Repressionen geprägt, richtete sich nach dem Bruch mit Jugoslawien in der Sowjetunion und in den jungen "Volksdemokratien" gegen die so genannten Nationalkommunisten, aber auch gegen die Juden, die "Kosmopoliten". In Schauprozessen wie exemplarisch gegen Slansky wurden jüdische Kommunisten zu Tod und Gefängnis verurteilt. Die Kampagne Stalins gegen die "Verschwörung der Jüdischen Ärzte" wurde durch seinen Tod beendet. Danach hörten die offenen antijüdischen Kampagnen zunächst auf, aber der Antisemitismus war damit nicht vorbei. Er wurde von der politischen Führung vor allem im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt wachgehalten und instrumentalisiert, dabei auch der traditionell verwurzelte Antisemitismus genutzt. Die kommunistischen Regime organisierten eine Hasspropaganda gegen die "Zionisten" mit einem Höhepunkt nach dem Sechstagekrieg, was u.a. zu der offen antisemitischen Kampagne der polnischen KP-Führung 1968 führte.
Dr. Ivo Bock war langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle Osteuropa an der Uni Bremen
Tobias Peters E-Mail: tobias.peters@lzpb.bremen.de Telefon: 0421 361 2098