Gesellschaft Geschichte und Erinnerung

Einladung zur Einweihung des „Ludwig-Baumann-Saals"

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Vortrag, Symbolbild © Edvin Johansson, unsplash
01.09.2022
18:00 Uhr
Veranstaltungsort: Gustav-Heinemann-Bürgerhaus
Kirchheide 49
28757 Bremen

Am 3. Juni 1942 desertierte Ludwig Baumann in Bordeaux mit einem Freund aus der Wehrmacht. Sie hatten in der Wochenschau mit angesehen, wie sowjetische Kriegsgefangene zu Tausenden auf freiem Feld verhungern und erfrieren mussten. Diesen Krieg, diese Verbrechen wollten sie nicht mitmachen. Sie wurden von einer Streife gefangengenommen und wenig später zum Tode verurteilt. Ohne zu wissen, dass die Todesstrafe in eine 15jährige Zuchthausstrafe umgewandelt worden war, verbrachten sie 10 Monate in benachbarten Todeszellen. Ludwig Baumann überlebte den 2. Weltkrieg in einem Lazarett, nachdem er im „Bewährungsbataillon 500“ bei einem Fronteinsatz schwer verwundet worden war.

Seit seiner Heirat 1951 wohnte Ludwig Baumann in Bremen. Er hatte sechs Kinder und arbeitete als Handlungsreisender. Viele Jahre litt er unter dem Makel, als Fahnenflüchtiger ein „Feigling“ oder „Vaterlandsverräter“ gewesen zu sein. In den 1980er Jahren schloss sich Ludwig Baumann der Friedensbewegung an und setzte sich für die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure ein. Mit 36 anderen Betroffenen gründete Baumann 1990 die Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e. V. Das Ziel, diese Opfer gesetzlich anzuerkennen und zu rehabilitieren, wurde zwar spät und mühsam, aber durch drei Gesetze in den Jahren 1998, 2002 und 2009 erreicht.

Ludwig Baumann hielt sich oft im Bürgerhaus Vegesack auf und war dort gut bekannt. Im Jahre 1982 hat er sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass das Mahnmal Dem unbekannten Deserteur im Hause aufgestellt werden konnte. Für seinen unermüdlichen Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit wurde er mehrfach geehrt. Anlässlich seines 90. Geburtstages 2011 würdigte Bürgermeister Jens Böhrnsen ihn mit einem Senatsempfang. Die „Internationale Friedensschule Bremen“ verlieh ihm 2014 den Franco-Paselli-Friedenspreis. Am 5. Juli 2018 ist Ludwig Baumann mit 96 Jahren gestorben.

Die ursprünglich am 13. Dezember 2021, dem 100. Geburtstag Ludwig Baumanns, geplante Veranstaltung zur Benennung des großen Saales im Bürgerhaus Vegesack fiel coronabedingt aus. Stattdessen erschien an diesem Tag in der Lokalpresse ein ausführlicher Bericht mit einem Foto des neu gestalteten Saaleingangs.

Programm
Vor Beginn und Ende der Veranstaltung: Dia-Schau mit Fotos von Ludwig Baumann, ausgewählt von Günter Knebel (Bundesvereinigung Opfer der NS-Justiz)

Moderation: Astrid Torkel, Friedensschule Bremen
Grußworte: Manfred Wemken, Frauke Winter (Gustav-Heinemann-Bürgerhaus)
Ansprache: Marita Rothe (Friedensschule Bremen)
Film: In Memoriam. Ein Kurzfilm mit Ludwig Baumann von Annette Ortlieb
Ansprache: Günter Knebel (Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz)

Musikalische Peter Paulitsch (Piano), Begleitung: Wilhelm Torkel

Teilnahmegebühr: kostenlos Veranstalter: Internationale Friedensschule Bremen im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus BarrierefreiheitInformationen zur Barrierefreiheit erhalten Sie beim Veranstalter Kontakt
Internationale Friedensschule Bremen Telefon: 0421 65997-0