Gedenken an die Opfer des Völkermords in Namibia
Programm:
- Grußwort Björn Fecker (Bürgermeister, Senator für Finanzen)
- Vortrag Silke Seybold: Über postkoloniale Provenienzforschung und die Frage der Rückgabe. Ein Blick auf die Herero-Sammlung aus Namibia im Übersee-Museum Bremen
- Worte des Gedenkens Manfred Hinz
- Schweigeminute und Blumenniederlegung
Moderation: Virginie Kamché (Afrika-Netzwerk, Vorsitzende Landesdekolonisierungsbeirat Bremen)
„Alles, was an die alten Zeiten erinnerte, ist verloren gegangen – für immer.“ Diese klare Aussage machte Kaufmann Hälbich 1908 gegenüber dem Museum, als er eine Herero-Sammlung anlegen sollte. Wie kamen die gut 300 Gegenstände der Herero nach Bremen? Wie geht man heute damit um? Ausgehend von diesem Beispiel wird die Ethnologin Silke Seybold (Kuratorin Afrika am Übersee-Museum Bremen) die postkoloniale Provenienzforschung vorstellen und über die Frage der Rückgabe sprechen.
Hintergrund
Bremen spielte eine wichtige Rolle im deutschen Kolonialismus. Als Hafenstadt war man ein zentraler wirtschaftlicher Akteur und Umschlagort von kolonialer Ware. Bremer Kaufleute wie Adolf Lüderitz und Heinrich Vogelsang drängten schon frühzeitig das Kaiserreich zum Erwerb von Übersee-Gebieten und waren dann stark in den Kolonialhandel und Ausbeutung involviert. Die Suche nach einem angemessenen Umgang mit den Auswirkungen des deutschen Kolonialismus - ob es um Rassismus und koloniale Kontinuitäten, die Rückgabe von Kulturgütern oder ein angemessenes Gedenken an den Völkermord in Namibia geht - prägt die aktuelle Diskussion.
Angesichts der kolonialen Vergangenheit Bremens insbesondere in Namibia stellen sich verschiedene Bremer Organisator:innen der Verantwortung, einen zentralen Beitrag zu dieser Diskussion zu leisten. Aus diesem Anlass findet das alljährliche Gedenken in Erinnerung an die Opfer des Völkermords am Montag, 11. August, dem Jahrestag der Schlacht von Ohamakari, am Antikolonialdenkmal im Nelson-Mandela-Park statt.
Nachdem insbesondere die Ovaherero und Ovambanderu durch die rücksichtslose Landnahme deutscher Siedler den größten Teil ihrer lebenswichtigen Weidegründe und Siedlungsgebiete eingebüßt hatten, griffen sie im Januar 1904 zum bewaffneten Widerstand. Als Oberbefehlshaber der Kolonialtruppen führte Generalleutnant Lothar von Trotha den deutschen Militäreinsatz von vornherein als „Rassenkampf“ und Vernichtungskrieg. Auftakt für den Genozid war die Schlacht von Ohamakari (Waterberg) am 11. August 1904. Bis 1908 dauerte der Kolonialkrieg und die systematische Verfolgung und Vernichtung der Ovaherero, Ovambanderu, Nama und Damara an. Auch gegen die San richteten sich Mordaktionen der so genannten Schutztruppe. Bis zu 90 000 Menschen wurden dabei ermordet, starben durch militärische Gewalt, durch Verdursten und Verhungern auf der Flucht oder an der Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern der deutschen Kolonie. Die Massaker werden heute von Deutschland als Völkermord anerkannt, so wie es jahrelang die Überlebenden und Nachkommen einforderten.
Tobias Peters E-Mail: tobias.peters@lzpb.bremen.de Telefon: 0421 361 2098