Grüner Wasserstoff aus Namibia – ein neues Kapitel deutscher Kolonialgeschichte?
Die Veranstaltung ist Teil einer bundesweiten Speakers Tour, die das geplante Wasserstoffprojekt „Hyphen“ in Süd-Namibia und die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung kritisch beleuchtet. Im Fokus stehen außerdem die Perspektiven der betroffenen namibischen Bevölkerung. Diese werden durch Paul Thomas (Mitglied der Nama Traditional Leaders Association) und Tjipura Unaune Tjipura von der Organisation (Social Economic Justice Trust) vertreten.
Das Großprojekt „Hyphen“ im Süden Namibias soll grünen Wasserstoff für die Energiewende in die reichen Länder des Nordens liefern. So plant beispielsweise der deutsche Energiekonzern RWE jährlich 300.000 Tonnen Ammoniak, welches über eine chemische Reaktion aus Wasserstoff gewonnen wird, aus der „Hyphen“-Anlage zu beziehen.
Für Attac trägt das „Hyphen“-Projekt zweifellos kolonialistische Züge. Die Pläne bereiten der namibischen Bevölkerung sowie lokalen zivilgesellschaftlichen Kräften große Sorgen: Unter anderem soll der Hafen von Lüderitz vor der Haifischinsel („Shark Island“) massiv ausgebaut werden. An dieser Stelle errichteten Truppen während der deutschen Kolonialherrschaft das erste Konzentrationslager, in dem sie Schätzungen zufolge bis zu 4.000 Menschen der Volksgruppen Nama und Ovaherero auf brutale Weise ermordeten. Das Gedenken an die Opfer ist durch die Ausbaupläne direkt bedroht. Auch bei der Entscheidung für das Projekt und dessen Umsetzung wird die lokale Bevölkerung nicht beteiligt. Alles geschieht unter größter Geheimhaltung und ohne eine Risikoanalyse. Bedenken hinsichtlich weitreichender Umweltauswirkungen werden ignoriert.
Die Veranstaltung soll das Bewusstsein für die Kolonialgeschichte Namibias schärfen und zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den dort begangenen Verbrechen anregen. Angesichts der deutschen Kolonialherrschaft tragen insbesondere deutsche Projekte wie „Hyphen“ die Verantwortung dafür, die Reproduktion kolonialer Konzepte in Namibia zu vermeiden.
Attac Bremen E-Mail: achim.heier@attac.de