Geschichte und Erinnerung



Karrieren in Bremen nach 1945

Vortrag
Symbolbild Vortrag (c) pixabay
12.05.2026
19:00 Uhr
Veranstaltungsort: Theater am Leibnizplatz
Schulstraße 26
28199 Bremen

 Die Karriere von Kurt A. Becher (1909-1995) zeigt exemplarisch, wie aus NS-Tätern nach 1945 „Mitläufer“ wurden, die (nicht nur) in der Wirtschaft erfolgreich agieren konnten. Erst im Frühjahr 1982 löste die Journalistin Karla Müller – Tupath mit ihrem Buch »Reichsführers gehorsamster Becher – Eine deutsche Karriere« heftige Debatten in Bremen aus. Becher lehnte deshalb im Juli 1982 die Nominierung für den Aufsichtsrat von Hapag - Lloyd ab. Doch auch in Bremen wurde kein Prozess gegen Becher eröffnet. Nach fünf Monaten stellte die Staatsanwaltschaft Bremen das Ermittlungsverfahren gegen ihn Ende Oktober 1982 „aus Mangel an Beweisen“ ein - ohne Becher vernommen zu haben.

Der Getreidegroßhandel machte ihn zu einem der reichsten Männer in der BRD und verschaffte ihm wichtige Posten in der Bremer Wirtschaft.

Käthe Popall (1907-1984) wurde 1907 in eine Bremer Arbeiterfamilie geboren. Schon als Jugendliche engagierte sie sich politisch. Ab 1929 war sie Mitglied der KPD. Den Beginn der Nazi-Herrschaft erlebte sie in Moskau. 1934 kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete im kommunistischen Widerstand. Im März 1935 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Im Juni 1937 verurteilte der Volksgerichtshof sie zu zwölf Jahren Zuchthaus. Nach zehn Jahren Gefangenschaft in fünf Zuchthäusern wurde sie am 7. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit. Sie lief zu Fuß von Waldheim in Sachsen nach Bremen, wo sie sofort wieder politisch aktiv wurde.

Im März 1946 gründete sie zusammen mit Irmgard Enderle, Agnes Heineken, Anna Klara Fischer und Anna Stiegler den Bremer Frauenausschuss.

Im April 1946 wurde sie Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft. Im Juli 1946 stimmte die Militärregierung ihrer Berufung in den Senat zu. Sie war die erste Frau in einer deutschen Landesregierung und setzte sich besonders für Jugendliche, Frauen und Flüchtlinge ein. Als 1948 die Zusammenarbeit mit der KPD nicht mehr erwünscht war, endete ihre Karriere als Senatorin. Bis Oktober 1951 konnte sie noch ihr Bürgerschaftsmandat wahrnehmen.

Alfred Ries (1897-1967) war schon in der Weimarer Republik Präsident des SV Werder Bremen und Manager des HAG-Konzern. 1933 flüchtete er nach Jugoslawien. Seine Eltern wurden 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet. Alfred Ries kehrte dennoch nach dem Ende der NS-Diktatur nach Bremen zurück. Anfang Januar 1947 wurde er Leiter des Bremer Außenhandelskontors und wieder Präsident des SV Werder. 1953 wechselte er in den Auswärtigen Dienst. Nach seiner Rückkehr in die Hansestadt 1963 wurde er ein drittes Mal zum Werder-Präsidenten gewählt. Auch nach 1945 erfuhr Ries in seiner Heimatstadt nicht nur Anerkennung. In seinem Wiedergutmachungsverfahren wurde er mit Misstrauen und Verdächtigungen konfrontiert, die noch nach seinem Tod in Bremen kursierten.

 

Teilnahmegebühr: 18€ (10€ erm.) Anmeldung: Hier geht es zum Kartenvorverkauf Veranstalter: bremer shakespeare company, Aus den Akten auf die Bühne, Universität Bremen BarrierefreiheitBarrierefrei Kontakt
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