Geschichte und Erinnerung Bremen und Bremerhaven

"Reichsführers gehorsamster Becher"

Vortrag
Symbolbild Vortrag (c) pixabay
02.06.2026
19:00 Uhr
Referent:in bremer shakespeare company Veranstaltungsort: Theater am Leibnizplatz
Schulstraße 26
28199 Bremen

Das Leben des Bremers Kurt A. Becher (1909-1995) steht exemplarisch für solche Biografien. Der Getreidegroßhandel machte ihn zu einem der reichsten Männer in Westdeutschland und verschaffte ihm wichtige Posten in der Bremer Wirtschaft.

In Nürnberg hatte Becher für sein Spruchkammerverfahren 54 eidesstattliche Erklärungen eingereicht. Der öffentliche Kläger hatte ihn in seiner Klageschrift in die höchste Kategorie eingestuft: „Gruppe I Hauptschuldiger. Am 11. Februar 1948 stufte ihn die Nürnberger Spruchkammer in die Gruppe V „Entlastete“ ein.
Nach seiner Entlassung aus der Internierung war Becher 1948 nach Bremen gezogen und gründete hier die Kurt A. Becher GmbH & Co. KG. In Nürnberg hatte er den Bremer Kaufmann Karl Lindemann kennengelernt, der ihm dazu geraten hatte und Kredite von der Norddeutschen Kreditbank Bremen verschaffen wird. .

Die 1960er-Jahre eröffneten mit der Verhaftung Eichmanns eine ganze Reihe an Verfahren. Im Januar 1961 berichtete der Weser-Kurier unter dem Titel „Geschäfte mit Menschenleben?“ über eine Verhandlung gegen Becher in Frankfurt a. M. und seine Rolle im Eichmann-Prozess. Becher war von Eichmanns Verteidiger als Entlastungszeuge benannt, weil beide 1944 in Budapest für die Waffen-SS tätig waren. Da Becher nicht nach Israel reisen wollte, aus Sorge, dort sofort verhaftet zu werden, richtete der Vorsitzende des Bezirksgerichts Jerusalem ein Rechtshilfeersuchen an die Bremer Justiz, Becher als Zeugen zu vernehmen. Erst als Becher im Juni 1961 vor dem Amtsgericht Bremen als Zeuge im Eichmann-Prozess aussagen musste, wurde auch in Bremen öffentlich über seine NS-Vergangenheit diskutiert. Weitere Ermittlungsverfahren folgten, in denen Becher meist nur als Zeuge auftrat.

1982 löste das Buch „Reichsführers gehorsamster Becher – Eine deutsche Karriere" der Bremer Journalistin Karla Müller-Tupath über seine Verbrechen heftige Reaktionen aus. Becher verzichtete auf sein Mandat im Aufsichtsrat von Hapag LLoyd. Nach fünf Monaten, im Oktober 1982, stellte die Staatsanwaltschaft Bremen das Ermittlungsverfahren gegen ihn „aus Mangel an Beweisen“ ein – ohne Becher vernommen zu haben.

Wie ein SS-Standartenführer beinahe ohne jegliche Hürden ganz oben in der Bremer Gesellschaft als reicher Kaufmann mitspielen konnte, soll in der szenischen Lesung und in dem Band ins Rampenlicht gerückt werden. Seine Karriere ist typisch für den Umgang mit NS-Tätern in der Bundesrepublik.

 

Teilnahmegebühr: 18 Euro / ermäßigt 10 Euro Anmeldung: Hier geht es zum Kartenvorverkauf Veranstalter: bremer shakespeare company BarrierefreiheitBarrierefreies WC, Zugang zum Zuschauerraum Kontakt
Peter Lüchinger E-Mail: peter.luechinger@shakespeare-company.com