Wie das Trauma vererbt wird
Der 24. April, das ist der Tag, an dem Armenierinnen und Armenier in aller Welt der Opfer des türkischen Völkermordes von 1915 gedenken. Die Opfer, das sind nicht nur die 1,5 Millionen ermordeten Landsleute, das sind auch die Toten der anderen christlichen Gemeinschaften im Osmanischen Reich - und es sind die Überlebenden, die mit ihrer Trauer und ihrem Traumata allein geblieben sind. Bis heute, weil die Türkei diesen Genozid nach wie vor leugnet.
So geht es auch Karla, der Protagonistin in dem Roman "Auf der Straße heißen wir anders" von Laura Cwiertnia. In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord, ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem, die Großmutter Maryam als Gastarbeiterin in Deutschland und die Urgroßmutter Armine auf den Straßen von Istanbul. Einfühlsam und mit feinem Humor geht die in Bremen geborene ZEIT-Journalistin und Schriftstellerin Laura Cwiertnia den Spuren einer armenischen Familie über vier Generationen nach. Im Hintergrund, immer spürbar, schwingen in jeder Zelle die Verletzungen, die Traumata mit, die der türkische Völkermord von 1915 den überlebenden Armenierinnen und Armeniern zugefügt hat und die sich weitervererben, von Generation zu Generation. In einer Mischung aus Lesung und Gespräch stellt Laura Cwiertnia an diesem Genozid-Gedenktag ihren Roman vor. Der Gemeindepfarrer Hratsch Biliciyan gibt eine Einführung in das Thema. Moderiert wird die Veranstaltung von der literatur-begeisterten Deutsch-Armenierin Tate Reit. Für den musikalischen Rahmen sorgt die Bremer Chorwerkstatt unter der Leitung von Max Börner.
Eine Kooperationsveranstaltung von Armenische Gemeinde Bremen, Demokratiezentrum Bremen, Bremer Chorwerkstatt und Stadtbibliothek Bremen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" statt.
Amir Saedi Telefon: 0421 / 361 - 12796